Ideologie und ideologische Staatsapparate

Mit dem Projekt “Ideologie und ideologische Staatsapparate” ging die gruppe tag der politischen Optik einer Smartphone-Öffentlichkeit nach, die das Politische gern als Gut gegen Böse-, Chaos gegen Ordnung-, oder Rebell gegen Spießer-Narrativ aufführt. Bester Stoff also für das Theater. Nicht nur auf Twitter oder Spiegel.de gilt das in Sachsen für den Leipziger Stadtteil Connewitz. Ein Stadtteil, der in den letzten Jahren häufig als Schlachtfeld eines Konflikts mit epischem Ausmaß repräsentiert wurde. Daher sprechen die Bewohner:innen des Stadtteils auch gerne vom “Mythos Connewitz”.

Ein Mythos ist für die einen ein Narrativ, für andere eine kollektive Erfahrung und für manche gar eine Ideologie. In Bezug auf Connewitz ist es vor allem ein Image. Zu Connewitz gehört der Mythos des linken und widerständigen Stadtteils, der auch als Ursprung der Wahrnehmung von Leipzig als alternativ geprägte Großstadt gehandelt wird. Damit verbinden sich viele Kiezgeschichten um renitente Subkulturen, selbstbestimmte Lebensformen und erkämpfte Freiräume gegen Staat und Kapital. Die gruppe tag machte sich im Projekt “Ideologie und ideologische Staatsapparate” auf einen Streifzug durch die Mythenwelt Connewitz’ und re-inszenierte ihre Geschichten. Ausgehend von Interviews und Twitter-Posts erprobten wir den Aufstand, spielten Verfolgungsjagden nach und bauten Barrikaden mit Absperrbändern. Damit war die Bühne bereitet um an drei Tagen Oktober 2021 im UT-Connewitz einen Videoparkour durch Connewitz aufzuführen, bei dem gemeinsam mit dem Publikum via Live-Übertragung die Performer:innen der gruppe tag jeden Abend neue Mythen schufen.

In der Recherchephase des Projektes fanden viele Interviews mit Anwohner:innen statt. Wir danken sehr für die vielfältigen Perspektiven, Beiträge und Geschichten, die uns halfen alte und neue Mythen in Beziehung zu setzen.

 

Das Projekt wurde gefördert vom Fonds Soziokultur aus dem Programm der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) “NEUSTART KULTUR” und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wurde mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtags bestimmten Haushaltes.

Beteilligte:

Luana Gregory, Pedro Henrique Risse, Katharina Becklas, Matthias Sterba, Salvador Marino, Katja Grohmann, Carmen Orschinski, Lisa Schlesinger, Luzi Gänslmayer, Rafael Wolff