Im zweiten Expert:innengespräch stand die Regisseurin Maria Aberg im Mittelpunkt, deren künstlerische Arbeit sich insbesondere auf die Zusammenarbeit mit migrantischen Künstler:innen konzentriert. Ihr Ansatz zeichnet sich durch die Entwicklung experimenteller und inklusiver Theaterformen aus, die gezielt darauf ausgerichtet sind, vielfältige Perspektiven sichtbar zu machen und neue Formen der Teilhabe zu ermöglichen.
Zentral im Gespräch waren die Themen Migration, Repräsentation und strukturelle Zugänge im Theater. Maria Aberg schilderte offen die Herausforderungen, Menschen mit Migrationserfahrung nachhaltig in Theaterprozesse einzubinden. Sie betonte, dass eine langfristige Beteiligung nur dann gelingen kann, wenn die institutionellen Rahmenbedingungen grundlegend verändert werden. Ohne diese Veränderungen bleiben Bemühungen um Inklusion oft punktuell und werden den Bedürfnissen der Beteiligten nicht gerecht.
Besonders eindrücklich war ihre Beobachtung, dass migrantische Künstler:innen im Theaterbetrieb nicht nur künstlerische Rollen übernehmen, sondern zunehmend auch organisatorische und kuratorische Aufgaben wahrnehmen. Durch diese aktive Teilhabe wirken sie an der Transformation der Theaterinstitutionen mit und gestalten Veränderungen von innen heraus mit.
Für das Projekt „Im Dickicht des Landes“ wurde somit klar, dass die Zusammenarbeit mit migrantischen Communities weit über eine projektbezogene Kooperation hinausgehen muss. Maria Aberg unterstrich, wie wichtig es ist, dass Institutionen bereit sind, Verantwortung und Macht zu teilen und ihre eigenen Strukturen zu öffnen. Dies betrifft die Zusammensetzung der Teams, die Entscheidungsfindung, die Produktionsprozesse und nicht zuletzt die Definition von künstlerischer Qualität.
In diesem Sinne wird Theater zu einem Ort, an dem gesellschaftliche Aushandlungsprozesse stattfinden – insbesondere innerhalb der Produktionsstrukturen. Die institutionelle Öffnung bildet damit die Grundlage für eine nachhaltige und gerechte Teilhabe migrantischer Künstler:innen am kulturellen Leben.