Leipzig wird 25 Jahre nach der Wiedervereinigung gerade vor den Hintergrund der hier etablierten Sub- und Soziokulturen wahrgenommen. Die Feuilletons der großen deutschen Verlagsanstalten  überschlagen sich mit euphorischen Kommentaren zu Leipzig als Kreativstadt: So urteilte die Zeit über Leipzig als „Ort zum Träumen“ oder die FAZ sieht in Leipzig das "Disneyland des Unperfekten". Von edlen Wilden in einer postkommunistischen Nische wird munter fabuliert. Einen großen Teil dieser Attraktivität bezieht Leipzig aus seiner Ausstrahlung als Großstadt, wo dank des vergleichsweise hohen Wohnungsleerstands und der vielen unerschlossenen, alten Industriebrachen potentiell erschwingliche Räume schlummern. Keine deutsche Stadt dieser Größe kann eine so hohe Zahl an selbstverwalteten Haus- und Wohnprojekten, Nachbarschaftsinitiativen, Gartenkooperativen, Kunst- und Kulturräumen vorweisen. Während die Stadtoberen munter 1.000 Jahre ‘Ersterwähnung” feiern sind viele dieser Sub- und Soziokulturen bedroht und kämpfen um Freiraum, neue Lebensformen, soziale Sicherheit und eine tragfähige Perspektive nach vorn. An die Stelle des ‘militanten Optimismus’, der die Subkulturen noch in der Wendezeit bestimmte, ist dabei ein Pragmatismus getreten, der sich in den vielen Nischen der Stadt resigniert eingerichtet hat. Selbst das gestenreiche Pathos des Scheiterns bleibt weitestgehend aus. Die gruppe tag suchte Geschichten und Erzählungen aus den letzten 25 Jahren. Es entstanden neben kleineren Performances und Installationen zum Kunstfest des Pögehaus 2015 eine Inszneirung der Geschichte von Gisela Kohl-Eppelt “Ein kleines Blatt vom Baum der Geschichte oder Frau Grau sieht Rot”, die vor gut 25 Jahren in Leipzig spielt. Wir setzten sie analogisch in Beziehung zu einer Bühnenhandlung in der Jetztzeit und fanden heraus: Don´t believe the hYpE!

Die Kurzgeschichte “Ein kleines Blatt vom Baum der Geschichte oder Frau Grau sieht Rot” der Autorin Gisela Kohl-Eppelt ist die Gewinnerin des Autorenwettbewerbes zum Thema, den die Initiative Ost-Passage Theater auf der Suche nach den konkreten Leipziger Utopien im ersten Halbjahr 2015 ausgelobt hatte.